+49(0)7044-920808

Tag 7

Heute wollte ich eigentlich, nach der schon fast obligatorischen, viel Geduld benötigenden Blog-Arbeit, nach Dakar rein fahren. Mehrere Probleme,  Überlegungen taten sich auf:

Über 30 Grad und Motorradkleidung?.

Keine Software fürs Navi, alleine Karte lesen, im chaotischen Verkehr ohne Hinweisschilder.

Na ja, da ich schon mal hier bin sollte ich in die Stadt..

Trotz des Risikos bin ich ohne Schutzkleidung gefahren, so konnte ich den Helm, Handschuhe und Nierengurt im Topcase verstauen. Bis dort hin wird die Kamera-Ausrüstung mit kompaktem Reisestativ darin aufbewahrt. Auch den Reiseführer hatte ich dabei, aber eigentlich nur wegen der Innenstadt-und Umgebungskarte. War Alibi-Mitnahme, denn ohne Straßennamen nutzt alles nichts. Ok, halbherzig losgefahren. Pass bloß auf markante Punkte bei Abzweigungen auf, hat die Vernunft-Hälfte des Gehirns zur anderen Seite gesagt.

Wie schön sich Katy im Sand fahren lässt, ohne Koffer und schwerer Kleidung, klasse. Im ersten Ort jede Menge Stände und kleine Geschäfte wo Du alles bekommst. Weiter. Nach ca. 18 km wird der Verkehr immer dichter. Eine riesige Abgaswolke schwebt über allem. Manche Mopedfahrer tragen Mundschutz. Als eine Tankstelle kommt, direkt an einem Kreisel gelegen, reicht es mir. Der Verkehr erinnert mich hier stark an indische Verhältnisse. Zuerst hupen, dann bremsen. Trillerpfeifen überall. Abgase daß du meinst du erstickst.             ___

Parke direkt am Kreisverkehr, an der Ausfahrt der Tanke, wo die Billigsttaxis (Schrotthaufen von Autos) und die überregionalen Kleinbusse halten. Sind alles Uralt-Mercedesbusse, dürften ca. 5 Tonner sein. Von Hand angestrichen, hinten ein breites Brett damit hier auch noch 3 bis 4 stehen können, an der rechten Hecktür ein Seil. Die linke Hecktür ist blockiert. Seitentüren gibt es manchmal. Vorne fast immer einen massiven Rammschutz. Zur Not, und die ist des öfteren, wird während der langsamen Fahrt auf- oder abgesprungen.  Ich zücke die Kamera, wissend daß viele Mohamedaner nicht fotografiert werden wollen. Lehne am Moped, beobachte und fotografiere. Bald habe ich ein halbes Dutzend Freunde: Die Fahrer der Billigsttaxis. Alles Jungs zwischen 20 und 30. Wir haben viel Spaß zusammen, diskutieren (deren Französisch ist für mich der Horror, muss immer nachfragen und langsam redet keiner) über die weiblichen Schönheiten des Senegals, und derer gibt es viele, meist herrlich umhüllt in bunten Gewändern. Oder ob ich den Jungs einen Job in Deutschland beschaffen kann. Sie machen das Beste aus ihrer Situation, wissen aber, daß sie nie eine Chance haben werden, vernünftig Geld zu verdienen.

Warum wir Weissen immer fotografieren, möchte einer wissen. Ich antworte, daß ich mit den Bildern und Texten den Menschen zuhause ihre andere Welt verständlich machen möchte. Oder was hättet Ihr Leser geantwortet?

  _  __

Gelegentlich haben sich Muslime über mein Fotografieren beschwert. Aus ihrer Religion heraus mit Recht. Wer sich nie beschwert hat waren die Frauen, welche zu 50% keinen Schleier trugen. Die anderen, bis auf wenige, hatten bunte Kopftücher auf, geizten aber überhaupt nicht mit ihren Reizen. Die Jungs wollten sogar fotografiert werden und hatten richtig Spaß, wenn das Bild gut wurde.

  _

Dieses bunte,  afrikanische Leben hat mich so begeistert, daß ich über 3 Stunden dort geblieben bin. Einer meiner neuen Bekannten wohnt in der Nähe meines Hotels. Wir hatten verabredet daß er noch mit mir auf dem Nachhauseweg in ein einheimisches Restaurant geht. Ok, wenn er mit mir fährt, finde ich den restlichen Weg zurück auch im Dunkeln..

Das Restaurant, bei uns wäre es ein Schnellimbiss, lag ca. 1500 m vom Kreisverkehr entfernt in eine andere Richtung. Geh schon mal rein, ich komme gleich, sagte er. Nach ca. 15 min. habe ich bestellt, er war noch nicht zurück. Als ich beim Essen war, schaut er kurz herein, legt mir 2 riesige Stücke Wassermelone aufs Teller und geht wieder. Mein Einwand, daß wir zusammen essen wollten, ignoriert er. Später auf der Strasse kommt er von der gegenüberliegenden Bushaltestelle und sagt mir daß er da seinen Zweitjob als Aufpasser hat und bis 21 h arbeiten muss. Im Hauptjob arbeitet er als Einweiser in einem Parkhaus. Das zum Thema Chancen in der Arbeitswelt.

So, nun muss ich in stockdunkler Nacht den Heimweg durch den Chaoten-Verkehr alleine finden. Daß die Pferdekarren kein Licht haben versteht sich von selbst, genau so wenig wie die Fahrräder. Bremsleuchten gibt es manchmal, manche Autos haben gar keine Scheinwerfer mehr. Nerven und eine gewisse Konsequenz oder soll ich sagen Frechheit, brauchst Du in diesem Land. Und die volle Konzentration. Daß ein Weg nachts ganz anders aussieht brauche ich nicht zu sagen. Trotzdem habe ich, ohne mich zu verfahren, nch Hause gefunden. Genau hundert Bilder habe ich geschossen. Hier ein kleiner Auszug:

_

 

_

2 Antworten zu “Tag 7

  • Sonja Britting
    3 Monatenvon

    Hi Manfred,
    ganz schön irre, was du dort erlebst! Kompliment an deine Orientierung. Ich weiß nicht, wo ich da mit meiner miesen gelandet wäre.
    Ach ja, der „Pauker“ in mir kann’s nicht lassen: So schreibt man „Muezzin“!
    Alles Gute und pass auf dich auf!
    Einen „stürmischen“ Gruß von zu Hause (es pustet heute nämlich recht heftig! Also kein schönes Vorweihnachtswetter!
    von Sonja.

    • Hallo Sonja,
      danke für die Korrektur. Ein Lektor wäre nicht schlecht, zumal ich beim Tablet immer wieder daneben haue…..
      wünsche Dir schöne Weihnachten und einen guten Rutsch.
      Viele Grüße Manfred

Schreibe mir Deine Meinung

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.