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Expedition ins italienische Erdbebengebiet

Kurz vor Ostern startete ich mit unseren Iveco Daily Aktiv Caravan Richtung Umbrien. Ziel war das Erdbebengebiet in Umbrien, rund um Castelluccio. In der großen Garage: Die KTM Military, Camping-Equipment und natürlich die Gleitschirm-Ausrüstung. Ein zweites Motorrad hätte noch locker hinein gepaßt. Unterwegs konnte ich bequem über dem Motorrad schlafen. Das mechanische Hubbett mit großzügigen 160 cm x 200 cm machts möglich.

Die Frage war:

Wie weit komme ich mit dem Wohnmobil ins Erdbebengebiet um den Monte Sibillini? Einmal wegen der Verwüstungen aber auch wegen der Schnee-Situation.

Das herrliche Naturschutzgebiet zwischen den Marken und Umbrien kenne ich sehr gut von früheren Reisen. Insbesondere das Hochtal von Castelluccio mit den fantastischen Möglichkeiten zum Gleitschirmfliegen und Wandern hatte es mir angetan.

Ich wusste daß Castelluccio und viele benachbarte Orte stark zerstört wurden, hatte aber keine Vorstellung vom Ausmaß der Verwüstungen. In der deutschen Presse ist das Erdbeben von 2016 Schnee von gestern und aktuelle Informationen sind nur sehr schwer zu bekommen.

Über Ancona erreichte ich relativ schnell die Provinc Macerata. Durch den windschnittigen Spoiler – Alkoven verbraucht der Iveco Daily wesentlich weniger als unser letztes Wohnmobil und man ist flott unterwegs.

Bereits von der Küste aus sah ich im Gebirge viel Schnee, aber der Pass von Muccia war offen.

Erste Hürde geschafft. Über die SP 209 geht es weiter Richtung Visso. Eine herrliche mittelalterliche Stadt , enge Gässchen mit viel Flair, teils im Tal, teils am Hang gelegen. Aber schon weit vor der Stadt komme ich an einem, aus dem Boden gestampften neuen „Dorf“ vorbei. Was ist das? Eng aneinander gebaute kleine, einfachste Häuser, wie größere Schrebergarten-Behausungen aussehend, kleben zu Dutzenden aneinander. Notunterkünfte, überall das gleiche Bild, mal 10, mal 20 Häuser, mal 50. Ganz offensichtlich wurden und werden immer noch diese Notbehausungen für einen mehrjährigen Aufenthalt gebaut. Überall begegnet mir Militär mit schwerem Gerät, Polizei-Camps. Beklemmend, eine Vorahnung dessen was ich noch sehen werde kommt auf:

Erste zerstörte Häuser, dann Visso….hier habe ich Geld am Bankautomaten geholt, dort Kaffee getrunken, alles unbewohnbar, kein Leben mehr. Die Kernstadt ist mit Zäunen abgeriegelt, Zutritt verboten, Lebensgefahr. Verzweifelt versucht man mit Stützen, großen Bandagen und Gerüsten das zu retten, was noch zu retten ist, aber es ist nicht mehr viel. Weiter nach Castelsantangelo.

    

Der am Hang liegende Dorfteil ist vollkommen unbewohnbar. Nur Ruinen. Nun windet sich die Straße den Berg hinauf, schon an vielen Stellen ausgebessert damit man überhaupt durch kommt. Gualdo, wieder ein Notcamp. Ca. 3 km weiter auf einem Hochplateau liegt ein Hotel / Restaurant, hier habe ich schon übernachtet und sehr gut gegessen bei den freundlichen Besitzern, hier hinten stand mein Motorrad über Nacht. Das Schild „ganzjährig geöffnet“ steht noch. Totenstille, kein Mensch weit und breit, die Löcher in der Wand zeugen von der Zerstörung. Wie es wohl innen aussieht? Straßensperrung der Polizei. Ab hier nur noch für Einsatzkräfte.

                

Mit dem Wohnmobil ist hier Schluss. Also die KTM Military aus der Aktiv Caravan Garage geholt und damit weiter. Viele Geröll liegt auf der Strasse, ein erstes Schneefeld ist zu überwinden. Geschafft. 2 km weiter ist endgültig Schluss. 40 cm tiefer, nasser, pampiger Schnee. Keine Chance durchzukommen. Dabei sind es Luftlinie nur noch ca. 6 km bis Castelluccio….

2 Tage später erfahre ich von einem Kollegen daß die Straße von Norcia (wurde beim Erdbeben ebenfalls schwer in Mitleidenschaft gezogen) nach Castelluccio Morgens und Abends nur für je 1 Stunde geöffnet ist. Castelluccio ist vollkommen zerstört. Fraglich ob es jemals wieder aufgebaut wird.

 

2 Antworten zu “Expedition ins italienische Erdbebengebiet

  • Felicissima per gli amici di Visso ed Ussita, ma triste assai per la situazione di Castelsantangelo sul Nera, ancora penalizzato da limitazioni, che, secondo il mio modestissimo parere, non hanno più ragione di esistere, e che stanno decretando la morte di questa parte di Alto Nera. Niente niente sarebbe ora di togliere la zona rossa e rendere fruibile l“area pic-nic?

    • Vielen Dank für den Kommentar der Freunde von Visso und Ussita. Ich mußte mir die Zeilen übersetzen lassen. Grob übersetzt schreiben Sie daß es eine Katastrophe ist was passiert war. Aber an einen Aufbau (ich vermute sie meinen Castelluccio) ist nicht mehr zu denken. Sie hoffen daß wenigstens die „rote Zone“ bald aufgehoben wird damit zumindest wieder ein Picknick Gebiet entstehen kann. Wo sind die Hilfsgelder geblieben? ist es wieder, wie bei früheren Erdbeben so daß diese Gelder zum Großteil in dunklen Kanälen verschwinden und Betroffene teilweise nach 30 Jahren!!! immer noch keine Hilfe bekommen haben? Ist es wieder das typisch italienische Problem mit dem M am Anfang?

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