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Tag 3

___Geschlafen wie ein Toter. Kein Wunder bei dem Programm.

 

Frühstück original marokkanisch:_ Fladenbrot, knusprig frisch, auf einem Tablett 4 Schälchen mit Marmelade, Erdnusspaste, super gutes Olivenöl und Honig. Ihr könnt Euch nicht vorstellen was für ein kräftiges Aroma dieser Honig hat. Genial. Man bricht das Brot und tunkt es in die verschiedenen Köstlichkeiten. Dazu den berühmten ‚The a la mente‘ (Schwarztee mit frischer Minze). Noch kurz umgepackt, Winterkleidung in die Box mit den Kochutensilien, am Automat Geld gezogen (mit EC Karte Maestro fast überall möglich) und es geht los. .

 

Zunächst eine kurvenreiche Strasse durch bergiges Land. Traum eines jeden Mopedfahrers. Dann geht es ins flache Land, am Meer entlang Richtung Süden. Der Verkehr wird immer weniger, der Straßenzustand ist gut, wenn da nicht dauernd die Polizeikontrollen wären. Königliche Polizei, Staats- und Militärpolizei, staatliche Miliz, Douane (Zoll). „Guten Tag, wie geht es Ihnen, woher kommen Sie, wohin fahren Sie, was ist Ihr Beruf“. Ich kann es nicht mehr hören. Erkläre einem schlecht französisch sprechenden, daß du Kaufmann bist. Einer hat es nicht verstanden und meinte ich sei Barbier…..ja, genau das ist es….Barbier. In Marokko auf dem Motorrad zum Barbier geworden, grins. Nächste Kontrolle, gleiche Fragen. Wie heißt doch dieses Wort auf Französisch….ich mache die Handbewegung für Bartschneiden und jeder freut sich daß er die Bewegung erkannt hat. So hat jeder was zum lachen (ist das böse?). Auch die vielen Geschwindigkeitskontrollen nerven. Marokko hat ein Radarsystem mit dem sie über längere Strecken die Geschwindigkeit messen. Dachte immer das wäre Verarschung, aber leider nein…..bei einer größeren Kontrolle kommt ein Polizist aus einem Container angerannt, in der Hand ein Blatt Papier mit der Zahl 128 drauf. Stolz:“Wir haben Radar“. Schei… das wird teuer. 100 sind erlaubt. Durchgehende Linie kostet schon ca. 36 €. Da kommt ein älterer Vorgesetzter, bekommt wichtig das Blatt, schaut drauf, schiebt die anderen Polizisten beiseite und winkt daß ich verschwinden soll. Uff, Glück gehabt.

Das Land wird immer karger, die Wüste immer deutlicher. Links Sahara, rechts der Ozean. Man fragt sich warum um diesen unwirtlichen Landstrich so hart gekämpft wird. Der Grund liegt in der Erde: Bodenschätze und seltene Erden…rechts fällt mir eine Fabrikanlage auf. Sieht alles ziemlich neu aus. Phosphat Abbau. Geschützt, besser als jede Militäranlage: Ca. 4 m hohe Betonmauer, ca. 3 km lang, darauf Nato Stacheldraht, dahinter modernste Kugelkameras. Was müssen die Angst haben, was muss das Gewonnene wertvoll sein……

Immer wieder gibt es im Bau befindliche Touristenzentren im Niemandsland an der Küste. Man weiß, daß der König (ja, Marokko ist ein Königreich) alles versucht um die anektierten Gebiete der Westsahara zu bevölkern, sie durch Arbeitsplätze, günstige Preise (zB. Super für sagenhafte 0,70 €), gute Straßen interessant zu machen für die opponierenden Berberstämme, welche stark vom IS beeinflusst werden..

Langsam werde ich frustriert, bringe einfach keine Kilometer zusammen. An einer Kontrolle frage ich, wie weit der nächste Ort mit Hotel und Tankstelle ist. Antwort: Ca. 50 km. Ok. Habe für heute genug und will nicht im Dunkeln fahren. 50 km, 60 km…kein Ort, keine Tanke…verdammt. Nach weiteren 50 km soll es Benzin geben. Das sagt auch mein Navi. Es wird dunkel, aber was soll ich machen? Ja, dort gibt es sogar 2 Tankstellen, eine hat keinen Sprit, die Andere gibt es schon länger nur noch als Ruine. Übernachten? Fehlanzeige. WORST CASE.

Genau das sollte nie passieren. Keine Ahnung wie lange der Sprit noch reicht, Frust….Stockdunkel, schwarzer Asphalt, der das schwache Licht von Katy förmlich schluckt. Aber Glück, ich schaffe die nächsten 56 km bis zur Tanke. Hotel? Ich werde angelächelt. Ja, nur noch 80 km. Wie relativ doch Entfernungen sind…..

20 km lange Baustelle, nur Stress. Schneller Toyota-Pickup überholt mich. Fährt verdammt schnell. Passt. Gas und hinterher. Er hat gutes Licht, nagelt durch die 60 kmh Baustelle mit 120 kmh. Danke, ich komme vorwärts. Das Zimmer soll 130 € kosten. Bin kein Krösus. Nee, jetzt kommt es nicht mehr darauf an. 25 km weiter finde ich mitten in einem Badeort ein Zimmer für 14.- €.

Nur hat es kein Restaurant und kein Frühstück. Nichts mit feinem Fisch oder Hähnchen. Also gibt es an einem Stand eine Art Pfannkuchen, später noch versalzene Oliven und Tee. Noch Einkauf einer Notverpflegung: Mandeln, Bananen, Datteln und Mandarinen, sowie eine Flasche Cola. Trinke ich zuhause nie, aber als magenfreundlicher Energiepusch genau richtig.

Es gibt unterwegs Unmengen an Fotomotiven, es reizt immer wieder anzuhalten, aber dann komme ich gar nicht mehr vorwärts. Die Fotografie spare ich mir für die Zeit auf nach den 6.000 schnellen km.

Übernachtet habe ich nach über 1.000 km in Dakhla. Bis jetzt sind 4.325 km gefahren. Das Ziel, in 2 Tagen in Dakar zu sein kann ich mir wohl abschminken. Schade. Der Straßenbelag ist super aber morgen kommt die Grenze nach Mauretanien und sicherlich wieder viele Kontrollen.

Katy macht mir Probleme. Sie überhitzt immer schneller, ich kann aber die Ursache nicht finden.

Diskussionen hatten wir auch. In den Baustellen werden einfach neben der Straße Pisten eingerichtet. Oft mal 2 bis 3 km lang. Eine knallharte Mischung aus scharfkantigen Steinen und Sand. Katy schimpft daß ihr die Beine weh tun bei den harten Schlägen, ich soll gefälligst langsamer fahren. Ich antworte daß sie sich nicht so anstellen soll, wir haben das schon letztes Jahr geübt, im Übrigen stehe ich in den Fußrasten um ihr nicht so im Kreuz zu hängen. Außerdem kann ich mit der langen Straßenübersetzung gar nicht langsam fahren. Wir einigen uns darauf, daß ich noch mehr aufpasse, aber das Tempo beibehalten wird. Ab der nächsten Pistenstrecke jagen wir hinter der Polizei her. Genial…Rechts , links überholen, dort wo gerade Platz ist. Alle anderen Fahrzeuge kriechen über die Holperstrecken. Auch den Polizisten gefällt unser gemeinsames Tempo. In Deutschland undenkbar.

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