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6.000 km S-D Der Start.

_Morgens um 6.20 h am 15.12.2018 war der Start in Wiernsheim. Leicht verspätet,  denn die Winterfahr-Anzieh-Prozedur dauerte länger als erwartet. Aufgrund der Wettervorhersage war sie perfektioniert notwendig. Und das hat sich auf der Strecke bestätigt. Die ersten 600 km trocken kalt bei Temperaturen zwischen -1 und + 2 Grad. Aber es war rel. wenig Verkehr so daß wir gut vorwärts kamen. Nur Katy fand die Temperaturen und das Tempo nicht so gut…..sie hat hat sich einen ordentlichen Schluck mehr gegönnt als üblich. Bei 520 km leuchtet die Reserveleuchte grell auf. Schock auf der französischen Autobahn. Durch den 45 l Spezialtank leuchtet sie erst wenn nur noch ca. 2 Liter im Tank sind…..zum Glück kam gleich eine Ausfahrt und in der Nähe eine Tankstelle. Uff, Glück gehabt. Das passiert nicht nochmal.

100 km südlich von Lyon steigen die Temperaturen langsam auf 3 Grad, am Mittelmeer Richtung Spanien sinds dann schon 9 Grad.

Was geht jetzt? 3 mal schon Anzeige dass die Autobahn Richtung Spanien komplett gesperrt ist. So war es auch. Nur es war weder ein Unfall noch eine Großbaustelle.

Die streikenden Gelbwesten haben die Bahn mit brennenden Reifen blockiert. An der Ausfahrt Chaos. Bis auf eine freie Spur herrscht das gelbe Chaos. Ein Glück fahre ich immer mit Sicherheitsweste. So wurde ich als Sympathisant gesehen und konnte mich unbehelligt durchquetschen. Tankstop an der Landstraße,  nächste Auffahrt wieder drauf. Denkste. Alles blockiert mit verbrannten Reifen und Holzpaletten. Keine Chance. Überall stickt es nach verbranntem Gummi,  liegen Überreste der abgefackelten Reifen. Der Asphalt ist zum Teil in Ringen verbrannt. Unglaublich. Zweite Auffahrt quetsche ich mich zwischen den stehenden Autos durch. Wieder hilft mir meine Sicherheitsweste. Letzte Mautstelle vor der spanischen Grenze: Hunderte Gelbwesten. Kilometerweiter Lkw Stau. Auf der Gegenfahrbahn blockieren nun die Lkw Fahrer aus Frust die ganze Autobahn. Rien ne va plus. Irgendwie schaffe ich es wieder durch zu kommen. Einziger Vorteil des Streiks: Die Gelbwesten haben die Zahlstellen besetzt, die Schranke der einzigen Öffnung existiert nicht mehr. Personal gibt es keines mehr. Danke Gelbwesten für die kostenlose Autobahnnutzung.

Weiter gehts an Barcelona vorbei, immer auf den Bezahlautobahnen. Warum, denkt Ihr sicherlich. Schon vor einigen Jahren fiel mir auf daß auf den Bezahlautobahnabschnitten (schreckliches Wort), bei denen es kostenfreie Parallelautobahnen gibt, fast nie die Geschwindigkeit kontrolliert wird. Und ich wollte ja einen guten Schnitt auf 2.400 km fahren. Angenehm warm war es entlang des Mittelmeers. Nur die Strecke westlich der Sierra Nevada, Granada streifend war wieder kalt. Aber das waren nur  300 km. Runter nach Malaga, an die Küste, dann wieder herrlich angenehm. inzwischen wusste ich daß mein Schnitt so gut ist, daß ich schon 3 Stunden früher als erwartet in Tarifa sein werde. Was nun, so früh geht keine Fähre. Die Zeit nur vergeuden? Ganz bestimmt nicht. Die Stunden kann ich gut in Marokko als Reserve gebrauchen. Einzige Chance: Eine Frühfähre in Algeras nach Tanger Med. Es hat geklappt. Die 4 Uhr Fähre war meine. Übliches Chaos beim marokkanischen Zoll, hat mich mit Fähre 4 Stunden gekostet.

Wettervorhersage für Marokko: Trocken und warm. Die haben nur den miesen, dichten, kalten Nebel unterschlagen, durch den ich mich eine Stunde lang durchkämpfen musste. Ekelhaft. Kostet auch Kraft ohne Ende. Hinterher war ich geschafft. Als Dank stiegen die Temperaturen hinterher immer mehr an. 24 bis 26 Grad zeigte meine Temperaturanzeige. Von Casablanca gings Richtung Marrakesch. Herrlich wenn Du dem Atlas näher kommst und die Schnee bedeckten Gipfel leuchten. Dann durch eine derbe, felsige, unwirtliche Landschaft mit Ziel Agadir. Der Abschnitt durch den Anti-Atlas war wieder lanschaftlich sehr schön. Besonders die etliche Kilometer lange Abfahrt in die Ebene der Arganbäume nordöstlich von Agadir.

Hier endet auch die Autobahn, eine Umfahrung von Agadir gibt es nach wie vor nicht. Ein Glück mag ich das Chaos  auf den Strassen der marokkanischen Städte. Du musst nur genau so wie die anderen Zweiräder durchwedeln und kommst relativ schnell vorwärts. Aber insgesamt gings jetzt nicht mehr so gut vorwärts.Viel Verkehr, viele Kreisverkehre (Frankreich lässt grüßen) , viele Polizeikontrollen. Werde zwar nie überprüft, aber Du kannst Dich mit dem Moped nicht einfach vordrängen.

Tan Tan war mein Ziel, aber es wurde immer klarer daß ich erst im Dunkeln ankommen werde. Ankommen in einem Ort mit ca. 3.000 Einwohner, kurz vor der Westsahara. Das Risiko kein Bett zu bekommen war mir zu groß, ich hätte wieder umdrehen müssen. No go.

. Darum sitze ich jetzt in Guelmim, 80 km vor Tan Tan, in einem typischen marokkanischen Cafe Restaurant Hotel, wo die einheimischen Männer beim The a la Mente oder Kaffee sitzen, reden, Fußball schauen, Lammsuppe löffeln oder einen echten Tajin essen. Touristen? Traut sich keiner rein. Ach ja, einen gibt es, heißt Lessing……das Moped steht im Flur zwischen den Tischen, bewacht von den Gästen.

Zusammenfassung:

3.360 km in 35 Stunden, davon 4 Stunden durch Fähre und Zoll vergeudet. Das erste Ziel ist geschafft und wie Ihr seht bin ich so fit noch zu schreiben…….grins

Beeindruckendes:

Gestern war ein traumhaft schöner Sonnenuntergang. Fast eine Stunde lang wurden die Wolken und das Gebirge von einer glutroten Sonne erleuchtet.

Über Barcelona standen schneeweise Wolken. Direkt über der Stadt leuchteten sie in ganz zartem rose, beleuchtet durch die unzähligen Lichtquellen.

In den engen Gebirgstälern vor Granada war in dieser Nacht eine kalte, fast schon düstere Stimmung. Und plötzlich öffnet sich das Hochtal und du fährst aus dem Gebirge auf das Lichtermeer von Granada hinunter. Sebst die Alhambra war zu erkennen. Wunderbar.

Die Gastfreundschaft der Marokkaner.

Ihr Stolz kein Trinkgeld zu nehmen. Am stärksten ausgeprägt bei den Berbern. Leider  sind auch hier viele Menschen versaut durch den Tourismus oder soll ich sagen durch die Touristen?

 

Morgen wird es spannend.

Ab sofort kenne ich die Strecke nicht mehr, keine Ahnung vom Zustand, keine Ahnung wie stark das Militärin der Westsahara präsent sein wird und vor allem…..wie lange dauert der Grenzübertritt nach Mauretanien?

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